Friday, April 12, 2013

Countdown: 18 Tage


Also, wo sind wir stehen geblieben? Ach ja, bei unserem Urlaub in Singapur. Oder wie es hier heißt Staycation. Wir haben es genossen und Singapur wiedermal von einer ganz anderen Seite gesehen. Unglaublich, wie vielfältig so ein kleiner Stadtstaat sein kann… (Ich weiß, ich weiß, hab das schon sehr oft gesagt.) Mir kommt vor – uns das wurde auch von Kollegen bestätigt, dass wir Singapur besser kennen als die Singapurer selbst. Ich war zumindest auf jeder einzelnen U-Bahn Station in Singapur (vier Linien, 102 Haltestellen). Vom Busfahren reden wir hier gar nicht...


(Eine ergänzende, kurze Geschichte dazu: Als ich meinen KollegInnen erzählt hab, dass Arnold und ich zum zweiten Mal auf Pualu Ubin waren und ihnen vorgeschwärmt habe, wie schön die Insel ist, wurde ich nur wie ein Alien angeschaut. Einige von ihnen waren gar nie dort. Meine Chefin, die sehr weltoffen ist und selbst viel macht – auch in Singapur, hat sich offenkundig fremdgeschämt. Und, hat gleich für das kommende Wochenende einen Betriebsausflug nach Pulau Ubin organisieren wollen. Leider, leider waren alle verhindert. Inklusive mir (Eltern!). Der Betriebsausflug fand nie statt… Im vorbei gehen, hab ich eine Kollegin zur anderen sagen hören: Was sollen wir denn bitteschön auf Pulau Ubin tun? Dort kann man ja nur Radfahren. So viel dazu…)


Von der Vielfältigkeit des Inselstaates konnten wir uns aber auch bei unserer allerletzten L.Ö.W.I.S-Veranstaltung überzeugen. Leider ohne Jenny und Patrick. Laufen im McRitchie Reservoir Park, wie „früher“, kam nicht wirklich in Frage. Viel zu heiß, dachten wir. Dafür haben wir uns für einen gemütlichen Spaziergang entlang der ehemaligen Zugstrecke von Singapur nach Malaysia entscheiden (die Gleise wurden größtenteils entfernt). Die gesamte Strecke sind wir jedoch nicht gegangen, immerhin beträgt diese ca. 30 km. Unser Ausflug wurde mit einem leckeren Frühstück in der Tiong Bahru Bakery eingeleitet, mit frischem Gebäck, leckeren Sandwiches und gutem Kaffee – ach, wie ich diese Tageszeit liebe. Als wir das Lokal verlassen haben, war es bereits 11 Uhr. Hm. Die Mittagssonne stand bereits sehr hoch… Zu Fuß – wie denn sonst? – machten wir uns auf den Weg zur Tanjong Pagar Station, dem Einstiegspunkt des Green Corridors. Entlang entdeckten wir ungewohnt niedrige und unbewohnte HDB-Wohnblöcke, die etwas Mystisches ausstrahlten. Wir mutmaßen, dass an genau dieser Stelle in einigen Jahren etwas Großes entstehen wird. Es wäre doch eine Schade so viel Platz ungenützt zu lassen (Achtung: Zynismus-Alarm). Immerhin geht es um eine Top-Lage. Nahe zum Geschäftsviertel, leichte Anhöhe, Blick bis zum Meer, trotzdem ruhig. Mit einem Condominium kann man hier m²-Preise von gut 10-15,000€ erzielen. 


 Tiong Bahru Bakery







 Ehemalige Zugstrecke, ohne Gleise

Langsamen Schrittes arbeiteten wir uns Richtung Buona Vista Station vor. Die Mittagssonne stand nun noch höher, die Faktor 80 Sonnencreme ist bereits vollständig verdampft und die nackten Schultern zeigen erste rötliche Verfärbungen. Die Wasservorräte neigten sich auch schon dem Ende zu. Es half alles nichts. So mussten wir kurz den Green Corridor verlassen und Wasser kaufen gehen. 



 Erfrischt ging die Reise weiter und kurz vor Buona Vista, unserem erklärten Ziel, machten wir einen Abstecher in das Wohngebiet Wessex. Wessex Estate ist ein absolut unübliches Wohngebiet für Singapur. Viele kennen es auch gar nicht. Fast keine Autos, viel Grünflächen um die Wohnbauten herum, etwas verfallen, trotzdem charmant. Jedes Gebäude trägt einen eigenen Namen, wie z. B. Hyderabad (ist aber auch der einzige Name, den ich mir gemerkt habe :-)). Uralte, hohe, mit Schaukeln geschmückte Bäume säumen die Straßen und laden wirklich zum Verweilen ein. Also, hätt ich früher davon gewusst…(wären wir trotzdem nicht dorthin gezogen, weil weit und breit keine Öffis in Sicht sind). Ein Augenzeuge, sprich unser Freund und Nachbar Ernest, der bereits vor 30 Jahren in Singapur war, erzählte uns, dass diese Gegend von und für Militärbedienstete aus England  errichtet wurde (in den 50ern). Heute bietet sie Wohnraum für all jene, die gerne zurückgezogen, weit von dem Großstadtrummel, leben und arbeiten wollen. Einige Kunstateliers haben wir nämlich auch gesichtet. Und damit die Bewohner dieser bezaubernden Ruheoase nicht immer wohin fahren müssen um Essen zu fassen, ist das Wessex auch mit zwei legendären Einkehrmöglichkeiten ausgestattet. Zum einen ist es das al(l)tbekannte Lokal namens „Colebar“, das eine durchaus beachtliche Geschichte auf dem Buckel hat. 1953 diente es als Kantine für die englische Besatzung  und zählt heute zu einem der ältesten und noch gut besuchten Restaurants der Stadt. Die Menükarte ist recht umfassend, von Western Food bis lokale Küche findet man alles. Aber ganz ehrlich? Wegen dem Essen geht man dort nicht hin. Vielmehr wegen der Atmosphäre, die dieser Ort ausstrahlt. Und das, meinen Lieben, ist oft auch was wert  - vor allem einen Besuch. Beim zweiten Lokal handelt es sich um ein relativ feines Restaurant. Dreimal dürft ihr raten aus welchem Land die Köstlichkeiten kommen! Richtig. Es handelt sich um einen Italiener, das Pietrasanta. Nach diesem kurzen Abstecher, der im Endeffekt zu einem langen wurde, kehrten wir ins Star Vista (offenes Shoppingzentrum a lá Murpark) ein…und was im Star Vista passiert ist, bleibt im Star Vista. ;-). Übrigens: Von vier Geocaches, die am Weg liegen, haben wir genau keinen gefunden. In Worten: null, zero, narda, nijet. Einer davon wurde in der Zwischenzeit jedoch nachgeholt.


 Wessex Estate











Ein weiterer Punkt, der noch auf meiner To Do-Liste stand, war der schon längst überfällige Besuch der Gardens By The Bay. Die, die uns hier besucht haben, wissen wovon ich spreche. Es ist dieser futuristisch errichteter Garten, den man vom MBS (Marina Bay Sands) Gebäude sehen kann. Es wurde im Juni 2012 eröffnet. Ja, wir haben uns Zeit gelassen. Und wir hätten uns ruhig noch länger Zeit lassen können. Nicht falsch verstehen, die Gärten sind schon sehenswert. Auch ich hab einige Fotos geschossen, aber auf die Gärten trifft die Aussage „außen hui, innen pfui“ gut zu. Ja, vielleicht ist es etwas überzogen, aber ich finde – ist aber wirklich nur meine subjektive Meinung – dass die Gärten viel versprechen, aber wenig halten. Die Architektur ist nicht zu kritisieren. Wer auch immer diese Gärten geplant hat. Nicht schlecht. Auch die zwei imposanten Dome, die im mitten des Geländes Blicke auf sich ziehen. Ich kann auch nicht wirklich mit Worten beschreiben, warum mir die ganze Anlage nicht zusagt. Aber so ist es nun mal. Und auch als ich mit Tomislava die Dome besucht habe, den Cloudy Forrest mit Nadelbäumen und den Flower Dome mit Blumen aus der ganzen Welt, Kakteen, über 100 Jahre alten Olivenbäumen, war ich enttäuscht. Natürlich, es ist schon beeindruckend, wenn man bedenkt, dass sie es geschafft haben, 100  Jahre alte Olivenbäume aufzustellen und die Klimakriterien zu schaffen, die Olivenbäume eben benötigen. Nur, ist das notwendig? Ich kam mir aber neben all diesen Pflanzen und Bäumen vor als wäre ich in einem Zoo für Pflanzen und Bäume. Und das finde/fand ich irgendwie befremdend. Vielleicht lag es aber auch nur an der Tagesverfassung? Wir Ang Mo’s müssen in die verschiedenen Länder und Kontinente reisen um die lokale Flora und Fauna zu bestaunen. Singapur holt einfach alles auf die Insel. Wie die Gardens by the Bay, so ganz Singapur – eine riesen Glaskuppel, ein künstlich angelegter Lebensraum. Und wenn ihr jetzt sagt, naja, wenigstens fliegen sie nicht so oft und belasten somit die Umwelt nicht, täuscht ihr euch. Denn, die lieben Singapurer fliegen sehr viel und oft. Vor allem zum Einkaufen, insbesondere nach Thailand und Hong Kong. (Zusatzinfo: Am Changi Airport werden Flugzeuge von über 100 Fluglinien abgefertigt, 6100 Flüge wöchentlich, verbinden Singapur mit 220 Städten in 60 Ländern weltweit! Lasst euch diese Zahlen mal auf der Zunge zergehen...unglaublich, nicht wahr?)


 Diese Fichte hat den "Umzug" leider nicht überlebt! :-(


 Im Cloudy Forrest




Im Flower Dome


 Affenbrotbäume




Natürlich haben wir noch versucht, einige Caches einzucachen. Teils erfolgreich, teils erfolgslos. Und so wie ich Arnold beim Cachen begleite, begleitet er mich beim „Lokal und/oder Bar-Hopping“ (die Fotos dazu gibt es im Facebook, für die es interessiert). Die, die gerne ausgehen und gerne Geld für gutes Essen und guten Kaffee ausgeben, verstehen wahrscheinlich meine Zuneigung zum Lokal- und/oder Bar-Hopping. Und so ein Bar-Hopping macht in so einer Stadt wie Singapur noch mehr Spaß. Für jeden Geschmack, für jede Tagesverfassung ist was dabei. Will man gerade nur entspannen (mit einem Buch), einen guten Kaffee trinken, gutes, lokales Essen genießen, etwas Individualität in der Atmosphäre spüren, geht man in die Gegend von Outram Park und Tiong Bahru. Will man gesehen werden und posh sein, vergnügt man sich im Central Business District, in der Orchard Road oder gar auf dem Dempsey Hill. Will man abfeiern, sich betrinken, einen drauf machen ist man gut in der Clark Quay Gegend aufgehoben. Will man eine leichte Brise spüren, reserviert man am besten am Robertson Quay. Will man günstig essen, geht man einfach in ein Food Court. Da gibt es natürlich auch Unterschiede und Kategorien. Bessere, schlechtere, lokale, internationale – mittlerweile haben wir auch einen Stand mit Schnitzel und Pommes entdeckt… 


Bin der Meinung, dass ich echt schon viel auswärts gegessen habe, aber ich entdecke immer noch Lokale, die neu sind und/oder von mir/uns unentdeckt blieben. Bei der Auswahl und dem Kommen und Gehen der Lokale kann man aber gar nicht immer am Laufenden sein. Drum lass ich es jetzt auch…in 18 Tagen sind wir ohnehin dahin. 


Ja, und da wären wir wieder beim Thema. Abschied. Wieder. 


Es gab ein Abschiedsessen mit meinen Kolleginnen und Garry, dem Hahn in Korb :-). In unserer Wohnung. Falls ihr euch noch erinnern könnt, dieses nach Hause Einladen ist nicht so verbreitet, aber meine Kolleginnen haben die Einladung ohne Zögern angenommen (wahrscheinlich von Neugierde getrieben). Es gab ein kleines Buffet mit Salat, Lasagne, Lángos, Würstel und Bratkartoffel, Schoko-Kuchen und Nusspotitze von der Mama. Den Wein haben zum Großteil Arnold und ich ausgetrunken… ;-) (den Schnaps auch). Nach dem Essen wurde das Geschenk ausgepackt (auch wenn man laut den asiatischen "Benimm-Regeln" das Geschenk erst später auspackt). Und da haben sie mich wirklich überrascht. Hätt damit nie und nimmer gerechnet; vor allem weil ich es mal echt nur nebenbei erwähnt habe. Neugierig? Ich bekam einen Reiskocher geschenkt! Einen sehr guten sogar. Mit dem kann ich sogar meine geliebten Dumplings (Dim Sum) und meinen geliebten steamed cake machen. Freut euch auf die Kostproben. ;-) Leider verabschiedeten sie sich bald danach. Ist so. Sie trinken nix, daher bleiben sie auch nicht – meine Theorie. ;-) Wir haben es versucht…am Ende waren wir betrunken! :-)





Es stehen noch ein paar Abschiedsessen vor uns, auf die wir uns freuen. Wir haben uns bewusst für einzelne Treffen entschieden, um uns von den lieben Menschen hier in Ruhe verabschieden zu können. 


So, so viel von mir! Bis bald…


Arnold kommt auf zum Wort:

In der Zwischenzeit wurde der 2. Streckenabschnitt des Green Corridior (ehemalige Eisenbahnstrecke nach Malaysien) von der Bukit Timah Station bis Buona Vista auch erfolgreich absolviert. Mit Ernest und Blanka. Das Wetter hat es diesmal besser mit uns gemeint. Es war zwar teilweise gatschig – was in dreckigen Schuhen und, in Blanka‘s Fall sogar mit bespritztem Rücken, resultiert hat. Ach ja, die Schuhe sollt ich auch putzen gehen…




Diesmal wurde zumindest einer der drei Caches gefunden. Ich glaub ja nicht dass es die anderen noch gibt, zumal ich nicht der einzige bin der eines Logs unfähig war. 


Abschließend konnten wir endlich eines der wunderschön, idyllischen Restaurants im Rochester Park aufsuchen. Wie oft haben wir schon vorgehabt, dorthin zu gehen? Unzählige Male. Hätt ma früher machen sollen. Ist echt genial. Aber vielleicht passt es ja kommendes Wochenende nochmal mit Jenny und Patrick. Vermutlich das letzte Mal. 


Was sonst? Ach ja: Siedeln. Preise eingeholt von 3 verschiedenen Siedlungsfirmen. Die einen schätzen 8m³, die anderen 20m³. Bist du deppert, die müssen aber ordentlich Verpackungsmaterial verwenden. Man bedenke, wir sind mit 1m³ ausgewandert. Und außer einer Kommode und drei Nachtkästchen haben wir keine Möbel gekauft. Ein paar Bilder, ein paar Bücher – ok, eine Menge Bücher, ein paar Klamotten und eine extrem geile Kaffeemaschine. Aber 20m³? Das ist ein halber Container! Bin gespannt. In einem halben Tag wollen sie fertig sein. Ja, wenn die mit fünf Leuten anmarschieren, wird das schon klappen. Wir beginnen am 30.4. und haben nicht allzu viel Flexibilität, da wir am selben Tag Abreisen. Naja, die Jungs haben genug Erfahrung und Evelin und ich haben auch nicht viel Länger als einen Tag gebraucht um zu packen. Die Arbeit lag im Sortieren, Entscheiden und Protokollieren. Steht uns noch bevor. 


Organisatorisch ist auch noch einiges zu tun:

Handyvertrag, Internet, Strom, Gas, Wasser, Steuer, Abmeldung beim Innenministerium, Bankgeschäfte,… muss alles noch erledigt werden. Checkliste vorhanden. Wird schon alles schief gehen.


Reisepässe sind grad bei der Russischen Botschaft für das letzte Visum. Weißrussland machen wir dann in Wien oder in Moskau. 


Sonst besteht unsere Lieblings-Freizeitbeschäftigung aus der detaillierten Planung unserer Zugreise. Eines steht schon fest – so viel Zeit haben wir nicht! Nur 37 Tage.

Countdown: 18 Tage, und die Uhr tickt…

Tuesday, March 12, 2013

Die Philippinen muss man sich verdienen!


Die Verzweiflung steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Aber, sie sagen nichts. Sie lassen es über sich ergehen. Was sollen sie denn großartig sagen, machen können. Sie können nur vertrauen. Davon ausgehen, dass alles gut geht. 


Von wem die Rede ist? Von meinen Schwiegereltern… auf ihrem Weg in die Philippinen. Einem vielversprechenden Urlaub, den Arnold und ich für sie geplant haben, entgegen sehend. Was sie bekamen, war ein Abenteuer, das sie wahrscheinlich bzw. hoffentlich nie vergessen werden. Zumal es das Geburtstagsgeschenk „der Kinder“ war. Und es begann so, das Abenteuer. 


 Das Geburtstagsbillet 

6.20 Uhr in der Früh heben wir ab. Nach Plan.  Mama und ich mit Frühstück im Magen. Die Jungs hatten nur etwas Süßes… 10 Uhr. Wir sind immer noch in der Luft. Irgendwas stimmt nicht. Ich glaub, wir kreisen. „Arnold, kreisen wir?“ Aus den Lautsprechern hört man den Captain sagen: Boys and girls…due to the heavy rain…landing at Clark Airport (ca. 95 km Entfernung von Manila). Na toll! Mama und ich vertreiben uns die Zeit mit Uno spielen. Ich hab eine Glückssträhne… 13 Uhr: Wieder unser Captain: Boys and girls…we’ll take off shortly. 15 Uhr: Ich hab ein Déjá Vu. Ich stehe genau dort, wo ich im Februar vor zwei Jahren gestanden bin, als sie mich höflich zur Seite gebeten haben. 15.10 Uhr: Ähm, ist da jemand? Arnold sucht nach dem Personal der Autovermietung National. Keiner da? Wo ist denn die Telefonnummer? 16 Uhr: Wir sitzen in einem Honda so und so. Die Angestellten anderer Autovermietungen waren so nett und haben uns einen Mann organisiert, der uns wiederum mit einem Auto versorgt hat. Ich glaub, es ist sein Privatauto. Egal, er scheint vertrauenswürdig zu sein. Er hat sogar einen Vertrag dabei. 16:10: Wir fahren; zur Tankstelle. Papa übergibt mir den Sitzplatz in der ersten Reihe. Ist es Arnold’s Fahrstill, der ihn nach hinten treibt? Oder die Tatsache, dass man in den Philippinen kreuz und quer fährt, Augen überall haben muss und die Hupe als Blinker gesehen wird? Es regnet. 19 Uhr: Ankunft am Ziel. Wir werden zu unserer Hütte gebracht. Da da…ein Zimmer mit Stockbett, eins mit zwei Doppelbetten. Perfekt (Achtung: Sarkasmus)! Was will man mehr? Alle guten Dinge sind drei, nicht wahr?


Wundert man sich da noch über die verzweifelten Gesichter? Nein, wohl eher nicht. 


Wieso ich all das schreibe? Die Anreise war für uns anstrengend, aber für meine Schwiegereltern war es die Hölle, ein Kulturschock. Nicht dass wir das wollten. Nein, ganz im Gegenteil. Wir sind deshalb auf der Hauptinsel der Philippinen geblieben, damit wir keine weite Anreise haben. Damit wir nach Manila fliegen und nur kurz mit dem Auto fahren müssen. Das war der Plan. 


„Ja, mach nur einen Plan, sei nur ein kluges Licht, und mach dann noch 'nen zweiten Plan, geh'n tun sie beide nicht.“
Bertolt Brecht (1898-1956), dt. Dramatiker u. Dichter


Wie auch immer. Am nächsten Tag sah wieder alles ganz, ganz anders aus. Papa, barfuß über‘n Strand spazierend, Mama die frische Brise einatmend, Arnold und ich mit dem Rauschen der Wellen erwachend. Ein neuer Tag hat begonnen… 


Die ersten zwei Tage unseres Philippinen-Abenteuers verbrachten wir im wunderschönen Stilts Calatagan Beach Resort, das ca. 140 km von Manila entfernt ist. Abgesehen vom kristallklaren Wasser, dem freundlichen Personal, der lachenden Sonne ist die Anlage mit besonderer Liebe zum Detail gespickt. Egal wo man hinsieht, gibt es was zu entdecken. Im Meer, die schwimmenden Hütten und die Unterwasserwelt; am Land, die vielen Sprüche, die überall zu finden sind und einen so richtig zur Entspannung bringen, die vielen unbekannten Pflanzen, am Weg des verlassenen Resort-Strandes… Wir lassen es uns gut gehen. 






 Der Künstler am Werk
 

Im völlig entspannten Zustand, entspannter geht es gar nicht, fahren wir wieder los. Diese Fahrt ist im Vergleich zur Ersten ein Honigschlecken. Klarer, blauer Himmel, weniger Verkehr, angenehm gefüllte Mägen. Es erwartet uns Tagaytay City, doch davor wird noch der erste und leider letzte Cache in den Philippinen gehoben. Tagaytay liegt ca. 55 km von Manila entfernt und ist – laut Arnolds Arbeitskollegen – ein beliebtes Tagesausflugsziel. Die Stadt liegt auf 634 m über dem Meeresspiegel und bietet damit eine herrliche Aussicht auf den naheliegenden See Taal und dessen gleichnamige Insel. Geschmaust wird im bekanntesten Restaurant der Gegend, das auch hier lobend hervorgehoben wird (im Trip Advisor wurde es auch positiv bewertet): Josephines. 





Morgen Stund hat Gold im Mund. Energiegeladen und voller Vorfreude fahren wir früh morgens die Serpentinen entlang, um im Tal des Taaler Sees ein Bötchen zur Taal Insel zu mieten, samt Kapitän, versteht sich. Leider ist es noch ein wenig bewölkt, aber unser Wettergott, Papa, sagt einen schönen, sonnigen Tag voraus. Bei der Überführung zur Insel werden wir auch gar nicht nass, überhaupt nicht. Wir sind zwar noch nicht die ersten Touristen auf der Insel, die den Krater des ehemaligen Vulkans besteigen wollen, aber mit Sicherheit die einzigen und die ersten des Tages, die das zu Fuß machen. Andere besteigen arme Pferde und lassen sich samt „Führer“ zum Gipfel bringen. (Stellt euch das bitte mal vor: zwei Menschen auf einem Pferd sitzend). Am Gipfel, der mit einem Ausblick auf einen kleineren See mit einer kleineren Insel überrascht, sind wir in einer guten Stunde (mit vielen Fotografier-Pausen). Den Cache oben finden wir leider nicht. Trotz Mamas und Papas Hilfe. Der Ausblick ist atemberaubend…vor allem dann, wenn schwache Schwefelschwaden in die Nasenlöcher dringen. 

Unser Transportmittel

 Die Faulen...

 ...die Braven!

Der See im See

Die Insel in der Insel





Der Vulkan Taal ist der zweit aktivste Vulkan in den Philippinen, der seit seinem ersten dokumentierten Ausbruch im Jahr 1572 33 nennenswerte Eruptionen hatte. Das letzte Mal ließ er 1977 von sich hören. 
 

Die Bootsfahrt zurück zum Auto war vielleicht ein Spaß! Ich, als das Schild der Mannschaft, bekam eine gratis Ganzkörperdusche verpasst. Wer weiß, vielleicht hat das Wasser was Heilendes… Bevor wir uns auf dem Weg zu unserer allerletzten Station unserer Reise machten, jausneten wir gemütlich im Pavillon, mit Blick aufs Wasser. Da durften passende Hintergrundgeräusche natürlich nicht fehlen. Und zwar die, der Hahnenkämpfe, die für die Einheimischen ganz zum Alltag gehören. 


Die Fahrt zur Villa Escudero erweist sich wieder als eine kleine Nervenprobe. Zwar nicht so wie am ersten Tag, aber das Ziel kam und kam nicht näher. Das tiefe Ein- und Ausatmen des Schwiegervaters war wieder deutlich zu hören. Links und rechts fahren sie mit Autos, Lastwägen, Tuk-Tus, Rädern und natürlich Jeepneys. Wo ist die malerische Kulisse der Dörfer vom Vortag? Kleinstadt an Kleinstadt und keine Ende in Sicht. Und doch sind wir am frühen Abend am Ziel angekommen. Weg vom Trubel. Hinein in die unzähligen Kokospalmen. Das Auto wird außerhalb der Anlage geparkt. Gott sei Dank. Willkommen im kleinen Paradies. 

  Are you kidding me? Shoud I really call that hotline???


Villa Escudero ist im Privatbesitz der Familie Escudero der zweiten bzw. dritten Generation und ist eine landwirtschaftliche Vereinigung von 75 Familien, die auf 40 ha Grundbesitz leben und arbeiten. Die Familien, die sich der Vereinigung angeschlossen haben, bekamen 300 m²  Grund zugesprochen, auf dem sie ihr Eigenheim errichten konnten. Die Gemeinschaft lebt nach strengen Regeln – unter anderem ist Alkoholkonsum strengstens verboten. Nur zu besonderen Anlässen, wie runde Geburtstage, Hochzeiten oder Jubiläen, ist Alkohol erlaubt. Um die Arbeit bewältigen zu können, werden auch andere, der Gemeinschaft nicht Zugehörige, angestellt. Insgesamt sind es 450 Mitarbeiter, die sich um die Kokospalmen und das Wohlergehen der Gäste kümmern. Somit ist es nicht verwunderlich, dass ihre Haupteinnahmequellen die Einnahmen aus den Kokosplantagen sowie die aus dem Tourismus sind.  Nachdem wir uns abwechselnd auf der Liegematte entspannt hatten, mit dem Bambusfloss gefahren sind, am Wasserfall unser Mittagessen eingenommen haben und schließlich vom Ochsen gezogen wurden, verabschiedeten wir uns von unserem Abenteuer auf den Philippinen und kehrten in unser bequemes Singapur zurück. 

 Angenehme Überraschung vor der Haustüre...



 




Trotz all der Strapazen, hoffen wir, dass es Mama und Papa gefallen hat. Wir für unseren Teil würden es immer wieder tun… 


Jetzt heißt es für uns, noch das letzte Stück Singapur zu genießen…viel Zeit bleibt uns schließlich nicht mehr. Gesagt, getan. Schon letztes Wochenende. Wir haben ein Zimmer im Osten gebucht – bitte erklärt uns nicht für verrückt - und eine 55 km lange Fahrradtour gemacht: Bedok Reservoir, in dem ein Stück europäischer Geschichte beheimatet ist, eine Runde um den Flughafen, Changi Beach Park, Pulau Ubin, Pasir Ris Park, Tampines Park usw. Das kommende Wochenende zieht es uns zum Green Corridor – der aufgelassenen Zugstrecke von Singapur nach Malaysia. 


Und noch viele weitere Dinge stehen noch auf unserer To-do-Liste…:-)

Friday, March 1, 2013

Wenn es am Schönsten ist...


Ich lausche dem Regen, der seit Tagen und Wochen mindestens einmal täglich hartnäckig vom Himmel fällt, sowie den Löwentanz-Lauten von unten und beginne erneut melancholisch zu werden. Mittlerweile ist es das dritte chinesische Neujahrfest, dem wir „vor Ort“ beiwohnen durften…leider auch das Letzte. 

 Lion Dance

 Lion dance im Kindergarten


Vielleicht ist es gerade das, was uns unsere verbliebene Zeit hier so versüßt.  Weil wir wissen, es sind die letzten Spaziergänge, Erkundungstouren, Ausgänge in/durch Singapur. Alles ist so aufregend und schön…fast so, wie damals als wir in Singapur angekommen sind. Nur, dass wir jetzt an Erfahrung und Wissen reicher sind und es ganz anders wahrnehmen. 


Das Essen zum Beispiel. Ich kann mich noch ganz genau an die Zeit erinnern, als ich im Food Court mit Tränen in den Augen gestanden bin. Warum? Weil ich a) Vorurteile hatte (wie die meisten, die zu Besuch her kommen), b) die Gerüche sehr intensiv wahrnahm (die teilweise sehr stark waren), c) die vielen Leute um mich herum mir Angst einjagten und d) ich bei der großen Auswahl nicht wusste, was ich essen sollte. Ich kann mich erinnern meistens Reis mit Gemüse oder Reis mit Henderl gegessen zu haben. Manchmal war es auch nur Obst. Im Laufe der Zeit und mit Hilfe von neu gewonnen Freunden und Arbeitskollegen streifte ich die Vorurteile ab und tauchte in die Welt der asiatischen Küche ein. Ich versuchte alles, sogar Dinge, die ich vor drei Jahren nie und nimmer in den Mund gesteckt hätte: Fisch jeglicher Art, Garnelen, Muscheln, Krabbenfleisch, verschiedenste Soßen (leichte/starke Sojasauce, Austernsauce)… Sogar Ente und Wachtel hab ich probiert. Meine Geschmacksnerven erreichten neue Höhen. Ich profitierte in jeglicher Sicht…nicht nur im Bezug auf das Essen. Vorurteilfrei zu sein, eröffnet einem so viele Türen. 


 





Es kam, wie es kommen musste. 
Singapur ist nun zu einer Herzensangelegenheit für mich geworden. Und ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr es mich bedrückt es bald verlassen zu müssen.

So...jetzt geh ich weinen! ;-)